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Dem regen trotzen

2017-03-20 05:23:56

Chic-französisch mit Tüll und Rüschen, italienisch-extravagant mit Kunstleder und Griff im Marmor-Look, praktisch-deutsch aufs Kleinste zusammenfaltbar: Jochen Doppler hat sie alle. Der Herr über hunderte Schirme betreibt in Mannheim eines der knapp 20 Schirmfachgeschäfte, die es in Deutschland gibt. Noch gibt. Denn, so betont Doppler, „der Schirm ist heute ein Wegwerfprodukt“.

Wer das Geschäft in einer Passage der Mannheimer Innenstadt betritt, mag das kaum glauben –  angesichts der Vielfalt besonderer Schirme in der Auslage, in Regalen und Ständern: Brautschirme ganz in Weiß mit Spitzensaum,  elegante Damenschirme mit zierlichen, silberfarbenen Griffen und viel schwarzem Tüll über der Regenbespannung; Outdoor-Schirme in Tarnfarben zum Umhängen, denen auch Starkregen im Gebirge nichts anhaben kann; viereckige Schirme mit Szenen bekannter Kunstwerke; elegante Herrenschirme in gedeckten Farben mit edlen Holzgriffen; riesige Gästeschirme, asymmetrische Sturmschirme. Taschenschirme, Stockschirme, Stützschirme, ja sogar Sitzschirme finden sich in Dopplers Sortiment. Letztere mit einem aufklappbaren, für den menschlichen Allerwertesten ergonomisch geformten Metallgriff. Der Hersteller: Doppler. „Nicht verwandt und nicht verschwägert“, sagt Jochen Doppler. Und seine Mimik verrät: Leider. Denn die Firma Doppler in Österreich ist einer der letzten großen Schirmhersteller, der noch in Europa produziert. Er hat auch Knirps aufgekauft. Jenes Unternehmen, das den Schirm sozusagen revolutioniert und handtaschentauglich gemacht hat.

1928 hatte der Bergassesor Hans Haupt aus Breslau einen Geistesblitz. Weil er im Krieg verletzt wurde, brauchte er einen Gehstock. Regnete es, konnte er aber nicht gleichzeitig einen Schirm tragen. Also konstruierte Haupt einen teleskopierbaren Schirm – passenderweise „Knirps“ genannt. Das Solinger Unternehmen Bremshey entwickelte den Knirps dann bis zur Serienproduktion. Mittlerweile gibt es Taschenschirme, die weniger als 150 Gramm wiegen. Das Mannheimer Fachgeschäft führt sie ab einer Preislage von 15 Euro, Stockschirme ab 20 Euro.

Die Schmerzgrenze liegt bei den meisten Kunden um die 70 Euro, so Dopplers Erfahrung. Zumal der Schirm auch ein Gegenstand ist, der gerne mal vergessen wird, sobald sich die Regenwolken verzogen haben. Auch Doppler selbst hat schon mal einen Schirm im Zug liegen lassen. „Bei teuren Schirmen schmerzt das natürlich.“

Liebhaber geben dennoch auch mal mehr als 200 Euro aus, etwa für einen italienischen Edelschirm. Doppler spannt einen von Francesco Maglia auf. „Hier, fühlen Sie mal!“ Tatsächlich, ein gutes Stöffchen, und die Streben machen einen absolut vertrauenswürdigen Eindruck. Das ist selten geworden. 98 Prozent aller Regenschirme sind made in China. Die Billigware lässt Fachhändler wie Jochen Doppler, der das Geschäft im Jahr 2000 von seinen Eltern übernommen hat, im Regen stehen. Hätte er nicht auch Regenmäntel, Gehstöcke und Einkaufswagen im Angebot, er könnte dichtmachen. Wobei das diesjährige Sommer-Tief dem Regenschirm ein Hoch verschafft hat. „So ein Wetter gibt es aber halt nur alle zehn Jahre“, meint Doppler.

„Wir können uns momentan wirklich nicht beklagen – zumindest im Hinblick auf unseren europäischen Markt“, sagt auch Felix Göbel, Geschäftsführer der Eberhard Göbel GmbH. Die Firma produziert in Fernost, entwickelt ihre Schirme aber am Stammsitz in Ulm. „Wir legen großen Wert auf Innovation, so haben wir unter anderem den stabilsten Trekkingschirm der Welt entwickelt oder einen Schirm, der handfrei getragen werden kann“, erzählt Göbel. „Letztendlich richten wir uns bei der Designentwicklung auch an die Erwartungen unserer Auftraggeber, so spiegelt zum Beispiel ein Werbeschirm für die Uhrenmarke Breitling auch deren Image wider: überproportional, gelb, umschlagsicher und  mit integrierter LED Lampe im Griff.“

Der Kundenkreis sei international, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben über 20 Distributeure in verschiedenen Ländern wie Australien, Taiwan, Japan, Neuseeland. Und irgendwo auf der Welt regnet es immer.“

Göbel verkauft nicht mehr an Endverbraucher, ist breit aufgestellt, liefert an Händler preisgünstige Werbeschirme ebenso wie Schirme der Luxusklasse. „Unser teuerster Schirm besteht aus feinsten handgefertigten Edel-Teilen, reiner Seide, Akazien-Stock, Krokodil-Ledergriff und Teilen aus massivem Sterling-Silber“, sagt Göbel. Der stolze Preis: 1430 Euro.

Einem solchen Liebhaberstück bleibt vermutlich das Schicksal seiner billigen Artgenossen erspart. „Ein paar Millionen Schirme landen jährlich in der Tonne“, weiß Doppler. Zur Freude seiner Stammkunden repariert der 52-Jährige teure Regenschirme auch, wenn mal die Naht einer Strebe gerissen ist, eine Niete am Gelenk fehlt,  ein neuer Griff gebraucht wird oder die Stange eines Stützschirms eingekürzt werden muss.

Rund 500 Reparaturen kommen im Jahr zusammen. In der Mittagspause verschwindet Doppler dann in seinen Keller und wirft die Schirmmachermaschine an, mit der er fräsen und sägen kann. „Man kann an Schirmen fast alles auswechseln“, erklärt er. So stapeln sich in dem kleinen fensterlosen Raum Kartons mit Gestänge, Griffen, Federn. „Doch von den meisten Firmen gibt es gar keine Ersatzteile mehr.“ Deswegen freut er sich, wenn ihm Kunden nicht reparierbare Schirme auch mal zum Ausschlachten überlassen.

Der Reparaturservice ist Dopplers Trumpfkarte. Den Internethandel dagegen hat er schnell aufgegeben. „Das lohnt sich für so ein kleines Geschäft nicht. Dann stehe ich nur noch hinten beim Verpacken und Versenden.“ Nicht rentiert hat sich auch das Sortiment an Kinderschirmen. „Da ist jedes Vierteljahr eine andere Comicfigur in Mode, und das Kind will dann  genau den Schirm mit der Figur.“ Aber natürlich sind auch die Motive auf Schirmen für Erwachsene gewissen Moden unterworfen. Wobei einfarbig immer geht und auch Kunstmotive gefragt sind. Männer seien sogar etwas mutiger geworden, hat Doppler beobachtet, und tragen jetzt überm Haupt auch Farbe. Und wenn es nur kleine bunte Quadrate im ansonsten klassisch-schwarzen Herrenschirm sind.

Doppler sieht manchem Kunden schon an, auf welchen Regenschutz es wohl hinausläuft: Das junge Mädchen und ihre Freundin wollen unter dem durchsichtigen Plastikschirm gerne noch gesehen werden, die exaltierte Mitvierzigerin steuert schnurstracks die französischen Modelle an, und der junge Mann mit Pferdeschwanz und Rucksack sucht etwas Sturmbewährtes mit Auf-/Zu-Automatik.

Die meisten seiner Kunden seien jedoch eher konservativ, erzählt Doppler. „Das ist sehr traurig, denn auf der Lederwarenmesse in Offenbach gibt es jedes Jahr so viele schöne, ausgefallene Schirmmodelle.“ Auch Felix Göbel bestätigt: „Die meist gekaufte Farbe ist Schwarz – obwohl ich persönlich unseren Kunden immer von Schwarz versuche abzuraten, da gerade an grauen Regentagen ein leuchtend-farbiger Schirm das Stimmungs-Tief  aufhellen könnte.“

Noch mehr Sorgen als Kunden, die zum unifarbenen Taschenschirm greifen, macht dem Schirmhändler Doppler die Generation Selfie: „Junge Leute haben heute gar keinen Schirm mehr. Sie tragen Outdoorjacken oder werden eben nass.“

Göbel sieht das anders: „Aktuell kann man gerade bei jungen Leuten den Trend wieder hin zum Regenschirm beobachten. Wichtig für uns  als Hersteller ist dabei, den Schirm immer weiter zu entwickeln – mit den neuesten Materialien und innovativsten Technologien, Carbon, ABS, Teflon, Edelstahl.“

Doch es gab auch früher schon Zeiten, in denen der Schirm in der Versenkung verschwand. Erfunden wurde er bereits 2000 vor Christus in China – und zwar als Sonnenschutz. Erst die alten Griechen setzten den Schirm dann auch als Regenschutz ein. Mit dem Untergang Roms geriet er allerdings in Vergessenheit. Erst im 16. Jahrhundert wurde er in Italien und Spanien wieder aufgespannt – zum Schutz bei der Jagd und auf Reisen.

Vielleicht könnte ein Erfinder wie Hans Haupt den Regenschirm ja Jetzt-Zeit-tauglich machen und ihn so konstruieren, dass er gleichzeitig als Selfie-Stick dient? Der Unternehmer Felix Göbel jedenfalls ist überzeugt: „Den Regenschirm wird es immer geben.“